Der Vorgarten stellt viele Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer vor eine besondere Herausforderung. Die Fläche ist klein, soll pflegeleicht sein, zum Haus passen und zugleich einen guten Eindruck machen – immerhin gilt sie als „Visitenkarte des Hauses“ und prägt als halböffentlicher Raum auch maßgeblich die Atmosphäre der ganzen Straße.
Umso wichtiger ist eine professionelle Planung. „Auf kleinen Flächen zählt jeder Quadratmeter“, erklärt Maximilian Brinker vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL). „Eine gute Beratung hilft, Standort, Lichtverhältnisse, Boden und Sichtschutz von Anfang an für die Planung zu berücksichtigen. So entsteht ein Vorgarten, der nicht nur schön aussieht, sondern dauerhaft funktioniert.“
Dazu gehört auch eine realistische Einschätzung des späteren Aufwands: Wer wenig Zeit für das Wässern, Schneiden und Jäten hat, braucht andere Pflanzen und Strukturen als jemand, der gern regelmäßig im Garten arbeitet. Fachbetriebe des Garten- und Landschaftsbaus planen deshalb nicht nur nach dem Look, sondern auch nach Standorteignung, Wuchshöhe, Wasserbedarf und der Entwicklung der Pflanzen über die Jahre.
Grün statt grau
Eine Zeitlang galt es als schick und pflegeleicht, den Vorgarten komplett zu versiegeln und mit Kies oder Schotter abzudecken. Diese Form der Vorgartengestaltung hat sich inzwischen überlebt, nicht zuletzt, weil sie in den Landesbauordnungen und auch in kommunalen Satzungen verboten ist. Aus gutem Grund, denn pflanzenreiche Vorgärten haben viele Vorteile. Sie bieten Lebensraum und jetzt während der kalten Jahreszeit Überwinterungsmöglichkeiten für Insekten. Diese wiederum sind für Vögel wichtige Nahrung während der kargen Zeit.
„Begrünte Vorgärten kann man auch als natürliche Klimaanlagen vor der Haustür beschreiben“, so Maximilian Brinker vom BGL. „Sie verbessern das Mikroklima, indem sie Schatten spenden und die Umgebung durch Verdunstung kühlen. Dies kann die Aufheizung an heißen Sommertagen mindern. Das spürt man zwar jetzt im Winter nicht, aber wer an den vergangenen Sommer denkt, erinnert sich an die belastenden Hitzeperioden. Glücklich, wer dann einen grünen Vorgarten hatte, der aktiv kühlt, anstatt einer grauen Fläche, die sich aufheizt.“ Ein weiterer oft unterschätzter Vorteil ist, dass bewachsene Böden Regenwasser aufnehmen und versickern lassen. Damit entlasten sie bei Starkregen die Kanalisation und verringern das Risiko, dass sich Wasser auf Gehwegen oder gar in Kellern staut.
Nicht zu vergessen: Im Unterschied zu den ganzjährig gleich aussehenden Schotterwüsten ändern lebendige Vorgärten mit den Jahreszeiten ihr Aussehen. Professionell geplant kann sogar in jedem Monat etwas blühen – selbst im Winter erfreuen dann Winterjasmin oder Zaubernuss. „Es gibt viele schöne ganzjährige Gestaltungsmöglichkeiten mit Pflanzen, da können Kies und Schotter schon aus stilistischer Sicht nicht mithalten“, betont Maximilian Brinker. „Stauden, Gräser, Bodendecker, kleine Gehölze oder eine Kombination aus Beeten, Wegen und vielleicht sogar einem Sitzplatz lassen sich auch auf wenigen Quadratmetern gut umsetzen.“
Rettet den Vorgarten!

Bereits vor zehn Jahren rief der BGL daher die Initiative „Rettet den Vorgarten“ ins Leben. Ziel war und ist es, die vielfältigen Vorteile lebendiger Vorgärten bekannt zu machen und das Bewusstsein für ihren Wert zu stärken. Denn die Summe vieler kleiner grüner Flächen kann in einer Siedlung oder einem Stadtteil nachweislich zur Verbesserung von Mikroklima, Artenvielfalt und Lebensqualität beitragen. Nicht zuletzt ist ein lebendiger Vorgarten ein echter Schmuck für das Haus. Er verbindet Gebäude und Garten, schafft Orientierung und Identität und trägt zu einem angenehmen Straßenbild bei.
„Unsere Initiative hat ganz sicher dazu beigetragen, die weitere Ausbreitung von Schotterwüsten in Vorgärten zu verhindern. Viele Kommunen haben unsere Argumente überzeugt und übernommen. Sie informieren Bürgerinnen und Bürger über den Wert vielfältig bepflanzter Vorgärten“, berichtet Maximilian Brinker. Auch Aktionen wie Fotowettbewerbe, gemeinsame Veranstaltungen mit lokalen Umweltorganisationen oder Mustergärten auf Gartenschauen und Ausstellungen haben in den letzten zehn Jahren zu einem Bewusstseinswandel beigetragen. „Dennoch bleibt die individuelle Beratung in Privatgärten wichtig“, resümiert Maximilian Brinker.
„Die Profis für Garten und Landschaft wissen, welche Pflanzen zur Fläche passen und wie sich die individuellen Erwartungen an Pflegeaufwand und Gestaltung optimal verbinden lassen. So wird aus einer kleinen Fläche ein wertvoller Beitrag für Haus, Straße und Umwelt.“ Weitere Informationen und Bilder speziell zu Vorgärten gibt es auf www.galabau.de/initiative-rettet-den-vorgarten. Kontaktdaten zu qualifizierten Betrieben für Beratung und Bau von Privatgärten finden sich auf www.mein-traumgarten.de.
Quelle: BGL











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