Bodenerhaltung durch Agrartechnik – Ist das überhaupt möglich?

Bodenerhaltung durch Agrartechnik

In diesem Artikel möchten wir uns ein wenig vom häuslichen Garten entfernen und unsere Reihe „Der Boden als Lebensraum“ noch einmal aufgreifen. Hartnäckig hält sich schließlich das Vorurteil, dass landwirtschaftliche und agrartechnische Maßnahmen dem Boden schaden. Dies muss allerdings gar nicht der Fall sein.

In den meisten Fällen lässt sich ein Boden nämlich auch über lange Zeit bewirtschaften ohne das er dauerhaft geschädigt wird. Schließlich wissen Sie ja auch noch aus der vorangegangenen Reihe, dass Bodenart und Bodentyp die Bearbeitung mehr oder weniger bestimmen. Der Boden ist schließlich per se ein Pflanzenstandort und dabei ist es dem Untergrund relativ egal, ob es sich hierbei um heimische Pflanzen oder wirtschaftlich vertriebene Zuckerrüben oder Kartoffeln handelt.


Das Beispiel Zuckerrüben

Die in Deutschland im Landbau sehr beliebten Zuckerrüben haben ganz spezielle Anforderungen, welche sie an den Boden stellen. An erster Stelle steht bei ihnen, dass sie sich mit Tonböden nicht so richtig vertragen. Sie benötigen eine gröbere Krümelung und eine ausreichende Durchlüftung, welche in Tonböden nicht gegeben ist.

Des Weiteren sollte der Boden sehr basenreich sein und eine starke Pufferung aufweisen. Begünstigt durch die Krümelung kommt es außerdem auf eine gute Wasserdurchlässigkeit bei gleichzeitig guten Wasserhalteeigenschaften an. Besonders in der Erntezeit ist es bei Zuckerrüben wichtig, dass der Boden trocken und aufgelockert ist.

Da sich Landwirte natürlich auch an bestimmte Erntezeiten halten müssen und natürlich auch an einem größtmöglichen Ertrag interessiert sind, greifen diese nur öfter in die natürlichen Bodenprozesse ein. – Aber sein wir mal ehrlich, wer würde in seinem eigenen Garten nicht auch gerne mehr Erdbeeren ernten als der Nachbar, oder einen größeren Kürbis züchten als der Supermarkt nebenan im Verkauf hat. Aber gut, vielleicht lassen sich ja einige Erkenntnisse aus der organisierten Landwirtschaft, bzw. aus diesem Artikel, ja auch auf den heimischen Garten übertragen.

Ich finde ja zum Beispiel, dass sich die Geräte der Bodenbearbeitung bei schnellen hinschauen sogar als recht ähnlich erweisen. Wenn man sich die Größenrelationen einmal vorstellt hat zum Beispiel so eine alltägliche Gartenhacke oder Spaten mit den Federzinken oder Fräsmessern mehr gemein als man vermuten könnte.

Ich meine, ich kann Ihnen nun beim besten Willen natürlich ohne Bild nicht den Unterschied zwischen Eggenzinken und Pflugscharen erklären, aber dank Suchmaschinen kann ich nun immerhin behaupten, dass sie bestimmt zur Auflockerung des Bodens dienen.

Beispielhafte Bodenbearbeitung

Kommen wir aber wieder zur eigentlichen Bodenbearbeitung zurück. Um einen größtmöglichen Ertrag bei unserem Beispiel, den Zuckerrüben, zu erlangen ist es notwendig den Oberboden rechtzeitig zu lockern und Hohlräume sowie Verdichtungen auf jeden Fall zu verhindern.

Vorbeugende Unkrautbekämpfung spielt nebenbei auch in der Landwirtschaft eine sehr große Rolle. Es ist also auch im Ackerbau wichtig alle Formen von Unkraut proaktiv zu bekämpfen.

Die wichtigsten Bearbeitungsschritte erfolgen dabei im Frühjahr und Herbst. Zunächst wird im Frühjahr meistens Branntkalk eingesetzt um die Krümelung zu gewährleisten und die basischen Eigenschaften zu optimieren. Anschließend folgen, meist im Winter die Stallmistgaben (sehen Sie hierzu auch unseren Artikel zum Frühmist). – Sie sehen also, dass die Parallelen zwischen Garten und Feld durchaus fließend sind in einigen Fällen. Denn, dieser Schritt wird in der Landwirtschaft meistens im Winter ausgeführt um sich diese Arbeit im folgenden Frühjahr zu sparen, da es dann meistens weitaus wichtigere Arbeitsschritte gibt als eben die Feldbestellung mit Mist.

Erosionsschutz und Verbesserungen der letzten Jahr(zehnt)e

Die Landwirtschaft schreckt vor Neuerungen und Innovationen natürlich in keinster Weise zurück. Daher hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten durchaus sehr viel positives im Bereich des Bodenschutzes ergeben.

Ein ausgewogenes Verhältnis von Feldbestellung und Feldbrache ist dabei eigentlich noch das unwichtigste. Nutzungswechsel passieren mittlerweile regelmäßig auf den intensiv genutzten Flächen. Das heißt, dass Felder nach einer Ernte meistens mit Pflanzenrückständen für einige Zeit Brach liegen. Im nächsten Jahr setzt dann eine konservierende Bodenbearbeitung ein. Dies beinhaltet sowohl das Unterpflügen der Rückstände und das umfangreiche Mulchen der Flächen als auch in den meisten Fällen auch eine Fruchtfolge. Auf einem Feld wird also nie über einen jahrelangen Zeitraum dasselbe angebaut.

Im Bereich der Bearbeitung hat sich aber ebenfalls einiges getan. So genannter Streifenanbau bzw. Filterstreifen werden ebenfalls angewendet um eine Erosion, also einen schädlichen Bodenabtrag durch Wind oder Regen, zu verhindern. Eine weitere Bearbeitungsvariante ist schließlich noch das Kontourpflügen. Gerade, langgezogene Bahnen werden also verhindert oder aber zumindest hangparallel durchgeführt. Winzig kleine Regentropfen haben für die meisten Felder nämlich weitaus größere Auswirkungen als man gemeinhin annimmt.

Bodenverluste Weltweit

In Ordnung, da wir ja mit diesem Artikel eh schon etwas verwegen daherkommen, gehe ich doch direkt einmal in die Vollen. Schließlich habe ich, wie in der Reihe der „Boden als Lebensraum“ erwähnt, Bodenkunde immerhin in meiner Diplomprüfung gehabt und daher noch das ein oder andere Fachbuch. Daher hier zum Abschluss noch ein paar Zahlen, die Ihnen vielleicht einen Anhaltspunkt geben warum es zu diesen Innovationen in der Bewirtschaftung kommt. Pro Jahr gehen weltweit nämlich folgende Flächen durch Bodenerosion verloren:

Bodenverluste weltweit Nutzungsart
75 Milliarden Tonnen Gesamtboden
12 Millionen Hektar Ackerland

Sie merken also, dass eine nachhaltige Landwirtschaft im Interesse aller liegen sollte. Laut Statistiken werden ca. 0,50 ha pro Kopf im Jahr für die Landwirtschaft benötigt. – Im Jahr 2030 rechnet man damit, dass noch etwa 0,14 ha pro Kopf und Jahr zur Verfügung stehen werden.

Am besten beginnen Sie also schon heute mit einer nachhaltigen Nutzung Ihres Gartens und bleiben mir und dieser Seite hoffentlich auch in den folgenden Wochen und Monaten treu, wenn wir nach und nach neue Artikel zur optimalen Gartengestaltung und Gartenpflege veröffentlichen.

Bildnachweis: © Primastock – Fotolia.com

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